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Mangrovenwurzel in Splitview über und unter Wasser, Belize
Vietnam
Mangroven im Mekongdelta

Alleskönner Mangrove

Alleskönner Mangrove

Das Mekongdelta in Vietnam ist ein Hotspot der Biodiversität und beherbergt eines der wichtigsten Mangrovensysteme der Welt. Doch dem tiefliegenden Deltagebiet droht bis Ende dieses Jahrhunderts die Überflutung. Der WWF fördert die Biodiversität im Mekongdelta und unterstützt die Bewohner:innen.  

Das Mekongdelta bildet den südlichsten Zipfel Vietnams. Es ist etwa so gross wie die Schweiz, bietet aber 17 Millionen Menschen eine Heimat. Die Region ist von Mangroven geprägt und beherbergt unzählige Tier- und Pflanzenarten. Dennoch wird in dieser dicht besiedelten Region intensiv Landwirtschaft und Aquakultur betrieben. Aquakulturen sind grosse Teiche, in denen Shrimps oder Krabben gezüchtet werden. Viele Menschen in der Region leben unter dem Existenzminimum und sind stark von dieser Zucht abhängig. 
Mangroven spenden den Teichen Schatten, kühlen das Wasser und stabilisieren die Wasserqualität. Diese Funktionen verbessern das Wachstum und die Gesundheit der Zuchttiere und verringern das Risiko von Ertragsausfällen. Aus diesem Grund sind nachhaltige Aquakulturen und gesunde Mangroven für das Einkommen und die Ernährungssicherheit der Bevölkerung von grosser Bedeutung.

Widerstandsfähige Mangrovenwälder schützen ausserdem das flutgefährdete Mekongdelta: Sie mildern Hochwasser und Stürme ab, bremsen die starke Erosion von Meeresküsten und Flussufern und reduzieren den Salzeintrag aus dem Meerwasser in Feuchtgebiete und Böden. Sie bilden ein wichtiges Ökosystem und bieten Lebensraum für seltene und gefährdete Arten, darunter viele Zugvogelarten.  

Gebiet

Grösse

Fläche der Provinz Cà Mau: ca. 5300 km2

Fläche des Mekongdeltas: ca. 39'000 km2

Arten

Mangroven-Ökosystem mit 15'000 Pflanzenarten

Bedrohungen für das Mangrovenökosystem

Ursachen für die drohende Überflutung des Deltagebiets

Für die Absenkung des Landes sind hauptsächlich drei Faktoren verantwortlich:

  • Es wird zu viel Grundwasser abgepumpt
  • Wegen der vielen Dämme im oberen Lauf des Mekong erreicht nur die Hälfte der ursprünglichen Sedimentfracht das Delta, weshalb dem Delta das Baumaterial fehlt, um sich selbst zu erhalten.
  • Es wird zu viel Sand im Delta abgebaut

Zudem dringt mit der Flut Meersalz immer weiter ins Landesinnere und schädigt Böden und Aquakulturen. Der steigende Meeresspiegel infolge des Klimawandels verschärft dieses Problem zusätzlich.

Die Folgen sind bereits spürbar. Küsten und Flussufer erodieren in hoher Geschwindigkeit: 2024 fanden an über der Hälfte der 720 Kilometer langen Küste des Deltas Erosionsprozesse statt, pro Jahr gehen 6 bis 8 km2 verloren, dies entspricht etwa einem Fünftel des Kantons Basel-Stadt. 

Die Mangroven sind unter Druck

Innerhalb von knapp 25 Jahren ist die mit Mangroven bewachsene Fläche im Delta um mehr als das Zweieinhalbfache zurückgegangen. Hauptgrund ist die Abholzung, um Platz für Aquakulturen und Infrastruktur zu schaffen. Viele Züchter:innen sind schlecht ausgebildet und erzielen mit veralteten, nicht nachhaltigen Zuchtmethoden tiefe Erträge. Zusätzlich schwanken die Absatzpreise für ihr Hauptprodukt, die Shrimps, stark, und Naturereignisse gefährden die Ernten. Um ihr Einkommen zu erhöhen, holzen sie Mangroven auf ihrem Gelände ab oder roden zusätzliche Flächen, damit sie neue Kulturen anlegen können. Die verbleibenden Mangroven leiden unter dem Rückgang der Sedimente in den Flüssen und der verstärkten Erosion. Es ist ein Teufelskreis, in dessen Verlauf die Mangrovenfläche weiter schwindet und damit auch die Widerstandsfähigkeit von Natur und Mensch gegenüber den Folgen des Klimawandels und den wirtschaftlichen Herausforderungen.    

 

Ungenügende Durchsetzungskraft der lokalen Politik

In der Provinz Cà Mau, an der Spitze des Mekongdeltas, schreiben Gesetze vor, dass 60 Prozent der Aquakulturflächen mit Mangroven bedeckt sein müssen. Diese Regel wird jedoch nur mangelhaft durchgesetzt, im Durchschnitt liegt die Quote bei knapp über 50 Prozent. 

Unsere Lösungen

In Cà Mau forstet der WWF zusammen mit der Bevölkerung die Mangroven auf und verbessert die Pflege bestehender Mangroven. Insbesondere in der Nähe des Nationalparks Mui Cà Mau und in Küstennähe werden junge Bäume gepflanzt. Dies erweitert die ökologisch wertvolle Bufferzone um den Park und bietet erhöhten Schutz gegen Stürme und Hochwasser.
Züchterfamilien lernen nachhaltige Methoden kennen und werden bei deren Einsatz finanziell unterstützt. Sie verpflichten sich, bestimmte Flächen nicht zu roden. Einige Bewohner:innen werden zu Fachpersonen ausgebildet, zum Beispiel für Mangrovenpflege. So werden die Verbesserungen durch das Projekt für die Zeit danach gesichert. 

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Bauern stehen in Brachwasser und arbeiten, Ca Mau Vietnam
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Mangroven wachsen in Ca Mau, Vietnam

Die Rolle des WWF

Der WWF Vietnam ist seit fast 20 Jahren im Mekongdelta präsent, um die Biodiversität zu fördern und die Menschen zu unterstützen. Er bringt sein Fachwissen zu Mangrovenaufforstung, biodiversitätsfreundlicher Zucht von Meeresfrüchten und zu naturnahen Schutzmethoden ins Projekt ein. Des Weiteren koordiniert der WWF die Zusammenarbeit zwischen Staat, Wissenschaft und Privatsektor. Da der Schutz der Mangroven für viele Betreiber:innen von Aquakulturen kurzfristig Einkommensverluste bedeuten kann, entwickelt der WWF neue Finanzierungsmodelle. Dank diesen Modellen erhalten Menschen für den Schutz der Mangroven ein zusätzliches Einkommen. Weil der WWF Erfahrung mit den Finanzierungsstrategien hat, kann er diese Strategien auf weitere Regionen ausweiten und sein Wissen weitergeben. Er engagiert sich dafür, dass das Projekt langfristig umgesetzt wird. 

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Bauern und WWF mitarbeitende schauen sich Shrimp an, Ca Mau

Wie hilft die Bevölkerung?

Die Menschen vor Ort spielen eine zentrale und aktive Rolle in allen Phasen des Projekts. Sie wurden bereits in die Planung des Projekts einbezogen. Sie gestalteten die Mangroven-Bewirtschaftungspläne aktiv mit: Sie wählten Gebiete aus, legten fest, wie Mangroven in Aquakulturen genutzt und geschützt werden, und unterstützten den WWF bei der Erhebung von Biodiversitätsdaten.
Nun pflanzen Haushalte auf dem Gebiet ihrer Shrimpzuchten neue Mangroven – insgesamt 0,3 km2 – und beteiligen sich an deren Pflege. Zudem stellen sie Pilotflächen zur Verfügung, auf denen keine Bäume gefällt werden dürfen, und erhalten dafür eine finanzielle Entschädigung. Auf diesen Flächen darf nichts geerntet, gefällt oder entnommen werden, damit sich das Gebiet erholen kann. 

Ausserdem werden rund 1500 Haushalte (≈ 6000 Personen) darin geschult, verbesserte Zuchtmodelle anzuwenden, bei denen die Mangroven als wichtiger Teil des Systems geschützt werden und die den Züchterfamilien höhere Erträge bringen. Diese Ausbildungen werden von lokalen Fachpersonen durchgeführt, die zuvor eine Weiterbildung beim WWF durchliefen. Zusätzlich organisieren Gemeindekomitees, Farmergruppen und Frauenverbände Gemeindetreffen, wählen die teilnehmenden Haushalte aus und tauschen sich über Projektfortschritte aus. 

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Haus über Brachwasser gebaut in Ca Mau, Vietnam
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Mangrovenwald Drohnenbild, Ca Mau Vietnam
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Mangrovenwald von oben, Mekong-Delta, Vietnam

Ausblick

Nach der Pilotphase (2026–2027) sollen die Ansätze der Mangrovenaufforstung und der nachhaltigen Mangroven-Aquakultur auf weitere Regionen in Cà Mau ausgeweitet werden. Insgesamt sollen bis 2032 ein Mangrovengebiet von fast 14 km2 naturfreundlicher bewirtschaftet werden.

Dank den neuen Methoden erzielen auch Züchter wie Minh Nhut – unten im Bild – mit seinen Black Tiger Shrimps mehr Ertrag. 

Der verbesserte Prozess der Mangroven-Shrimpzucht und die Anpflanzung neuer Mangroven reduzieren Hitze und spenden Schatten, wodurch Shrimps und Fische besser wachsen können. Der Ertrag ist nun doppelt so hoch wie bei der traditionellen Methode in der Vergangenheit.

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Shrimp Bauer auf Boot in Ca Mau, Vietnam

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Afrikanische Elefanten in Kenia

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Bonobo-Mutter küsst ihr Baby

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