14. April 2026 — Medienmitteilung

WWF-Bericht: Nachhaltige Finanzen – Verliert die Schweiz den Anschluss?

Der Schweizer Finanzplatz wird seinem Anspruch, international führend im Bereich nachhaltiger Finanzen zu sein, nicht gerecht. Das zeigt ein neuer internationaler Vergleich des Regulierungsrahmens für nachhaltige Finanzen, den Deloitte Schweiz im Auftrag von WWF Schweiz durchgeführt hat. In allen untersuchten Bereichen – Bankenaufsicht, Versicherungsaufsicht und Kapitalmarktaktivitäten – liegt die Schweiz unter dem Durchschnitt vergleichbarer Finanzplätze. 

Der Bericht analysiert anhand von über 70 Indikatoren, wie gut Klima‑ und Naturaspekte in Finanzmarktregulierung und -aufsicht integriert sind. Während die Schweiz grundlegende Anforderungen wie Transparenz‑ und Offenlegungspflichten teilweise erfüllt, bleiben zentrale Lücken bestehen. Zudem bleiben die bisher umgesetzten Massnahmen fragmentiert, unvollständig und folgen keiner klaren Strategie. Der auf der Grundlage der jüngsten SUSREG-Studie erstellte Bericht zeigt anhand konkreter Beispiele, wo die heutigen Lücken in der Schweizer Finanzmarktregulierung liegen und wie diese geschlossen werden könnten.

Dazu Stephan Kellenberger, Co-Autor des Berichts, WWF Schweiz: «Der Bericht unterstreicht, dass der Anspruch des Bundesrates, den Schweizer Finanzplatz als international führenden Standort für nachhaltige Finanzdienstleistungen zu positionieren, nicht mit der Realität übereinstimmt. Die Schweiz täte gut daran, eine kohärente Langfriststrategie zu entwickeln, um den Finanzplatz zukunftsfähig und international wettbewerbsfähig zu machen.»  

Andere Finanzzentren sind weiter

Im internationalen Vergleich zeigen Länder wie Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, China und Singapur deutlich ambitioniertere und kohärentere Regulierungsansätze. Sie haben spezifische Vorgaben entwickelt, um Klima‑ und Naturrisiken systematisch zu reduzieren und Finanzflüsse stärker auf nachhaltige Aktivitäten auszurichten. Diese Länder könnten sich damit zu den Finanzzentren der Zukunft entwickeln – während die Schweiz an Boden verliert.

Im Gegensatz zur internationalen Konkurrenz setzt die Schweiz weiterhin stark auf prinzipienbasierte Selbstregulierung. Der Bericht hält fest, dass dieser Ansatz Risiken birgt: geringere Ambitionen, fehlende Durchsetzbarkeit und eine uneinheitliche Umsetzung können die Glaubwürdigkeit des Finanzplatzes schwächen und die Attraktivität für internationales Kapital mindern.

WWF SUSREG: Vorreiter oder Nachzügler? Der regulatorische Rahmen für nachhaltige Finanzen in der Schweiz: Ein internationaler Vergleich.

Original (auf Englisch): Frontrunner or laggard? Switzerland's Sustainable Finance Regulatory Framework: An International Comparison

Kontakt:

Sebastian Obrist, Mediensprecher WWF Schweiz, sebastian.obrist@wwf.ch, +41 77 417 68 19