Luchsmutter mit Jungem
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22. Mai 2018

Artenschutz im Visier

Biber, Luchs und Wolf – sie und andere geschützte Wildtiere in der Schweiz dürften bald ihren Schutz verlieren. Das Parlament berät die Revision des Jagd- und Schutzgesetzes. So sollen verschiedene geschützte Arten vereinfacht reguliert und «auf Vorrat» abgeschossen werden dürfen.

Es geht ums Ganze

«Es steht vieles auf dem Spiel, was hierzulande in den letzten Jahrzenten im Artenschutz erreicht wurde. Was wir heute in diesem Gesetz festschreiben, wird für die nächsten Jahrzehnte weitreichende Folgen haben, wie wir mit geschützten Tierarten umgehen.»

Gabor von Bethlenfalvy

Im Vordergrund steht im revidierten Gesetz nicht mehr der ausgewogene Kompromiss zwischen Schutz und Abschuss, sondern eine einseitige Anpassung zuungunsten der gefährdeten Tiere. So sollen geschützte Tiere auf Vorrat abgeschossen werden können – und zwar bevor ein konkreter Schaden vorliegt. Was man unter Schaden versteht, bleibt offen. Damit kämen gemäss Bund auch Tierarten wie Biber oder Luchs auf die Abschussliste, unabhängig davon, ob sie gefährdet sind oder nicht.

Fast jede geschützte Art kann menschliche Nutzungsinteressen tangieren – sei es, weil ein Fischreiher Fische frisst oder ein Biber Dämme baut. Oder weil ein Kanton Einnahmen verliert, weil ein Jagdregal (Bewilligung für eine Jagd in einem bestimmten Gebiet) an Wert verliert, wenn der Luchs im selben Gebiet jagt. Der Umgang mit solchen Interessenskonflikten zwischen Artenschutz und Nutzungsinteressen ist herausfordernd.

Der Nutzen, welche beispielsweise Grossraubtiere in einem natürlichen Ökosystem haben, wird im überarbeiteten Gesetz völlig ausgeblendet. Dank Wolf und Luchs verbessert sich zum Beispiel die Gesundheit des Wildbestandes, und es gibt weniger Bissschäden im Jungwald. Zudem bieten diese Tierarten auch neue Chancen für den Tourismus.

Vom Bund zu den Kantonen

Im Kern geht es beim neuen Gesetz um eine gesellschaftliche Grundsatzfrage: Wie viel Platz überlassen wir der Natur? 
Nach dem neuen Gesetzesvorschlag hätten statt dem Bund neu die Kantone die Kompetenz, ganze Bestände von geschützten Tieren zu dezimieren. Das widerspricht den Bemühungen, die Konflikte mit solchen Tierarten zu reduzieren, was klare, übergeordnete Ziele und eine länderübergreifende Koordination voraussetzt. Mit dem neuen Gesetz öffnen sich Tür und Tor für 26 verschiedene Interpretationen, wie wir in unserem Land mit geschützten Tieren umgehen. Das ist wenig sinnvoll, denn kein Luchs überlegt sich, wo die Grenze eines Kantons oder eines Landes beginnt und wo sie aufhört.

Abschüsse lösen keine Konflikte

Fachleute sind überzeugt, dass die Dezimierung von Beständen keine effiziente Methode ist, um Konflikte zu lösen. Das zeigt sich gerade auch am Beispiel Wolf. Während der Herdenschutz die Schafsrisse nachhaltig reduziert, helfen Abschüsse nur minimal. 
«Erfahrungen in anderen Ländern weltweit zeigen klar, dass Abschüsse gar zu mehr Rissen führen können. Für unsere Alpen-Landwirtschaft führt kein Weg am Herdenschutz vorbei», ist Gabor von Bethlenfalvy überzeugt.

Referendum prüfen

Die Umweltverbände WWF, BirdLife und Pro Natura lehnen die extreme, völlig aus dem Gleichgewicht geratene Revision des Jagd- und Schutzgesetzes ab. Sie fordern die Rückweisung an den Bundesrat zur grundlegenden Überarbeitung. Sollte das Gesetz in der vorliegenden Form vom Parlament bestätigt werden, werden die Verbände ein Referendum gegen dieses Abschussgesetz prüfen.

Sehen Sie sich im Video an, was unsere Experten zur Gesetzesrevision sagen

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