Wie Zusammenarbeit auf Augenhöhe gelingen kann
Von lokalen Organisationen gestaltete Projekte und gleichberechtigte Partnerschaften sind eine Grundlage für die langfristige Wirkung von Naturschutz. Doch Vorgaben zu Rechenschaftspflicht und Projektmanagement lassen Partnerschaften in der Realität oft einseitig werden. Ein Pilotprojekt des WWF und der kolumbianischen Organisation ASOMI zeigen Wege aus dieser Situation auf.
Von Sue Furler, Themenverantwortliche Inclusive Conservation, WWF Schweiz
Der Projektantrag trifft nicht per E-Mail beim WWF Kolumbien ein. Es ist auch kein hochtechnisches Dokument gespickt mit Excel-Tabellen, sondern eine Skizze auf Packpapier. Sie umreisst, was die indigenen Frauen von ASOMI erreichen wollen. Im Zentrum der Skizze ein einfaches Haus, darum herum Bäume, Menschen, ein Medizinalpflanzengarten, Quellen, ein Zaun. Sie liegt auf dem Boden des Gemeinschaftshauses von ASOMI und ist umringt von indigenen Frauen und WWF-Mitarbeiter:innen: Statt dass eine E-Mail beladen mit Anhängen vom Amazonas in die Hauptstadt Bogota reiste, nahmen Menschen den umgekehrten Weg auf sich.
«Manchmal haben wir den Eindruck, wir arbeiten, um die Ziele der Geldgeber zu erreichen, nicht unsere eigenen.»
Skizze statt formeller Projektantrag
Die Projektskizze zeigt auf, wie es um das 53 Hektar grosse Gebiet steht, das ASOMI gehört und schützt, und sie erläutert die Herausforderung, die die 63 Frauen von ASOMI angehen wollen: Ihre Gegend um die Gemeinde Mocoa im südwestlichen Kolumbien kämpft mit unkontrollierter Besiedelung, immer wieder wird Land in Beschlag genommen. Ein Zaun soll das ASOMI-Territorium davor schützen. Zusätzlich wollen die Frauen den Boden ihres Medizinalpflanzengartens verbessern.
(→ Von der Email weiterlesen) Naturschutz, gleichberechtigt und lokal geführt («Inclusive Conservation»), ist eine Grundlage für dessen langfristige Wirkung. Aber wie lässt sich dies in der Praxis umsetzen? «Manchmal haben wir den Eindruck, wir arbeiten, um die Ziele der Geldgeber zu erreichen, nicht unsere eigenen», haben die ASOMI-Frauen während eines Workshops notiert und «die Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften müssen im Zentrum stehen, nicht jene der Geldgeber».
Zwei Frauen von ASOMI. © https://mujeresasomi.org/
Das Pilotprojekt wurde vom WWF Kolumbien gemeinsam mit den Expert:innen für inklusiven Naturschutz des WWF international initiiert. Der WWF Schweiz steuert die Finanzierung bei. Primäres Ziel ist kein Naturschutzprogramm, sondern ein gemeinsamer Lernprozess von WWF und ASOMI. Der WWF wird weiterhin Anforderungen seiner Geldgeber erfüllen müssen, er will weiterhin sicherstellen, dass Naturschutzprojekte die gesteckten Ziele erreichen.
«Die Herausforderung liegt darin, etwas Neues zu kreieren», sagt Juan José Rodríguez, Finanzmanager des WWF Kolumbien, «zwar mag niemand Finanzberichte, trotzdem nutzen wir weiterhin unsere Vorlagen und Richtlinien. Wir haben vergessen, wie man neue Wege beschreiten kann.»
Gemeinsamer Lernprozess
Der WWF Kolumbien involvierte bewusst Mitarbeitende aus dem Controlling und der Rechtsabteilung im Pilotprojekt: Die Organisation soll sich damit befassen, wie sich lokal geführter Naturschutz mit den Vorgaben einer internationalen NGO besser vereinbaren lassen. Die Wahl des Partners fiel auf ASOMI, weil die Organisation zuvor skeptisch gegenüber den Ansätzen und Anforderungen von internationalen NGO inklusive dem WWF eingestellt war. Doch von diesem gemeinsamen Lernprozess liessen sich die Frauen überzeugen.
«Wir traten in einen Dialog und bemühten uns, dass ungleiche Machtverhältnisse keine Rolle spielten. Die Frauen von ASOMI waren beim ersten Treffen bereit, ihre Geschichte zu teilen und uns kennenzulernen. Das erzeugt Vertrauen.»
Frauen von fünf Völkern des kolumbianischen Amazonas haben ASOMI vor über 20 Jahren gegründet. Sie bewahren die traditionelle Medizin, das Wissen und die Pflanzen, die es dafür braucht. Sie unterstützen die «Mamitas», die älteren Frauen und Hüterinnen des traditionellen Wissens darin, ihr medizinisches und botanisches Knowhow an die jüngere Generation weiterzugeben. Sie möchten ihr Territorium selbstbestimmt verwalten und verteidigen und die Rolle der indigenen Frauen stärken.
Die Frauen von ASOMI verstehen sich nicht als Organisation im klassischen Sinne, sondern als «Geflecht» aus Beziehungen, Erfahrungen und Wissen, das sich entwickelt und das die von ASOMI vertretenen Gemeinschaften stärkt – dieser «Prozess des Lebens» sei wichtig, sagt die Präsidentin der Organisation, Paola Chindoy: «Wir müssen von der Fixierung auf Projekte wegkommen.»
ASOMI und WWF machten sich auf den Weg, um Rechenschaftsberichte, Budgets, Projektzyklen so mit indigenem Wissen, Prozessen des Lebens und lebendigen Geflechten zu kombinieren, dass beide Organisationen ihre Erfordernisse erfüllen können. Buchhalter, Rechtsexpertinnen und andere Fachleute des WWF reisten dafür mehrfach zum Gemeinschaftshaus in Mocoa. Die indigenen Frauen luden die Besucher:innen dazu ein, ihre Welt und ihre Sicht darauf kennenzulernen. Sie vollzogen mit ihnen spirituelle Rituale, in denen Heilpflanzengetränke eine Rolle spielen, oder organisierten ein Spiel, bei dem es darum ging, traditionelle gewebte Muster zu interpretieren – ein Sinnbild dafür, dass man unterschiedlich auf dieselben Dinge blicken kann. «Wir traten in einen Dialog und bemühten uns, dass ungleiche Machtverhältnisse dabei keine Rolle spielten», erzählt Alexis Daza, Koordinator Buchhaltung beim WWF Kolumbien, «und die Frauen von ASOMI waren schon beim ersten Treffen bereit, ihre Geschichte zu teilen und uns kennenzulernen. Das erzeugt Vertrauen.»
Verträge im Mamita-Test
Manche Mitglieder von ASOMI waren bereits in Projektarbeit mit internationalen Organisationen involviert. Im Projekt mit dem WWF wurden jedoch bewusst Frauen beigezogen, die keine solche Erfahrung haben und ungeübt im Lesen und Schreiben sind, zum Beispiel manche Mamitas, die so wichtig für die indigenen Gemeinschaften und ihr kollektives Gedächtnis sind. Sie sollten testen, wie (un)verständlich Verträge aus dem WWF-Universum sind. In der Folge wurden Texte vereinfacht, angepasst, gekürzt. «Unverständliche Verträge sind unbrauchbar», sagt der WWF-Anwalt Juan Carlos Guasca.
Der Projektstatus in Skizzenform.
Vieles wurde auf den Prüfstand gestellt. Vom Projektzyklus des WWF über die Form von Projektanträgen bis zur Art, wie Budgets verfasst und kontrolliert werden. Dabei entstand zum Beispiel die erwähnte Projektskizze als Ersatz für einen klassischen Antrag. Die Skizze nimmt die Arbeitsweise der indigenen Gemeinschaften auf, die kollektiv nach Lösungen suchen und sie nicht linear in einem Text festhalten, sondern mehrdimensional und visuell. Im Budget des Pilotprojekts ist Geld vorgesehen, um die skizzierte Projektidee umzusetzen.
Flexibilität statt Zwänge
Statt eines Budgets organisiert nach Kostenkategorien entwickelte ASOMI eine Struktur basierend auf den Aktivitäten und Zielen der Gemeinschaft. So steht nicht mehr die Buchhaltung im Vordergrund, sondern der Zweck der eingesetzten Mittel. Gleichzeitig werden Leistungen sichtbar, die in herkömmlichen Finanzierungsmodellen häufig unsichtbar bleiben – zum Beispiel Abgeltung für die Zeit und das Wissen der spirituellen Guides, die den Findungsprozess begleiten. Diese Flexibilität gefällt der Präsidentin von ASOMI, Paola Chindoy: «Als Organisationen sind wir üblicherweise so gefangen in rigiden Abläufen, dass wir unsere Menschlichkeit einbüssen.»
Diese Elemente des Projektmanagements und der Zusammenarbeit wurden im Pilotprojekt ASOMI-WWF neu gestaltet:
Planung als kollektiver Prozess
Die Frauen von ASOMI verbanden die Projektphasen des klassischen Projektmanagements mit ihrem Ansatz, der an den bäuerlichen Produktionszyklus angelehnt ist: Den Boden bereiten, die Samen auswählen, aussähen, die Pflanzen pflegen, ernten. Ihr Projektvorschlag entstand nicht als schriftlicher Antrag, sondern als kartografische Skizze. Sie zeigt, wie die Frauen von ASOMI ihr Territorium verstehen, welche Beziehungen ihnen wichtig sind und welche Prioritäten sie setzen. Wissen wird nicht linear beschrieben, sondern kollektiv erarbeitet und visuell dargestellt. Aus der Skizze wird für Geldgeber eine Übersetzung angefertigt.
Verständliche Vereinbarungen
Der Kooperationsvertrag wurde gemeinsam überarbeitet. Komplexe juristische Sprache wurde reduziert, Inhalte gekürzt und Verantwortlichkeiten ausgewogener verteilt.
Budget als Ausdruck von Prioritäten
Statt eines Budgets nach Kostenkategorien entwickelten die Frauen von ASOMI eine Struktur basierend auf ihren Aktivitäten und Zielen. Dadurch steht nicht mehr die Buchhaltung im Vordergrund, sondern der Zweck der eingesetzten Mittel.
Monitoring in Symbolen
Fortschritte werden nicht in Tabellen festgehalten, sondern in Skizzen und Symbolen: Sonne für «erreicht», Halbmond für «in Arbeit», Vollmond für «offen». Diese Form ermöglicht die Interpretation des Projektstands über Sprach- und Bildungsgrenzen hinweg.
Finanzielle Rechenschaft vom Ziel her gedacht
Im Finanzbericht stand nicht die Einhaltung einzelner Budgetposten im Fokus, sondern die Frage: Was haben die eingesetzten Ressourcen bewirkt? Finanzielle Rechenschaftsberichte können unterschiedlich aussehen, entscheidend ist nicht die Form, sondern die Transparenz und Verständlichkeit.
Doch die Gepflogenheiten im Naturschutz und der Entwicklungszusammenarbeit und die üblichen Formate für Anträge, Berichte, Budgets ändern sich erst allmählich. Hier kommt dem WWF eine Vermittlerrolle zu, damit Beziehungen symmetrischer werden: Seine Mitarbeitenden müssen zuhören, an traditionellen Arbeitsweisen partizipieren und in beide Richtungen übersetzen – für indigene Gemeinschaften im Amazonas und für Geldgeber in den Hauptstädten. So haben einige ASOMI-Frauen und WWF-Mitarbeiter:innen die Projektskizze in einen Antrag übersetzt, der den Anforderungen der Geldgeber und dem ursprünglichen Geist entspricht.
Ein einmaliges Pilotprojekt genügt nicht, um etablierte Machtgefüge und jahrzehntelang eingeübte Prozesse zu beseitigen. Wie dies gelingen könnte, zeigte eine Übung, zu der die ASOMI-Frauen das WWF-Team einluden: Gemeinsam einen traditionellen Korb zu flechten. Schritt für Schritt zeigten die Frauen die Technik, halfen geduldig und ermutigten die Teilnehmenden, ihren eigenen Rhythmus zu finden. Ein perfekter Korb, das optimale Ergebnis entsteht nicht, wenn bloss Aufgaben erteilt und Ergebnisse kontrolliert werden. Es braucht gute Begleitung: Präsent sein, Wissen teilen, Orientierung geben und Menschen unterstützen, ohne ihnen die Verantwortung abzunehmen.
Wissen hat viele Formen
Schriftliche Berichte sind nur eine Möglichkeit. Bilder, Geschichten, Rituale und kollektive Reflexion sind ebenso gültig, müssen aber oft übersetzt werden, um institutionellen Anforderungen für Rechenschaft gerecht zu werden.
Risiken werden unterschiedlich gewichtet
Für internationale Organisationen wie den WWF spielen finanzielle, rechtliche und reputationsbezogene Anforderungen und Risiken eine wichtige Rolle. Diese Perspektive prägt viele Kontroll- und Berichtssysteme. Für ASOMI liegen die zentralen Risiken anderswo: Beim Verlust von traditionellem Wissen, bei der Gefährdung des Territoriums und der Schwächung gemeinschaftlicher Strukturen. Ebenso besteht das Risiko, dass externe Anforderungen lokale Prioritäten verdrängen und Organisationen in Rollen gedrängt werden, die nicht ihrer eigenen Vision entsprechen.
Kontrolle und Vertrauen sind miteinander verknüpft
Viele Kontrollmechanismen entstehen, weil Risiken minimiert werden sollen. Dies kann als Misstrauensvotum verstanden werden und so das Vertrauen untergraben. Der Pilotversuch bestätigte, dass Verantwortung geteilt und Vertrauen aktiv aufgebaut werden kann. Dies ist die Grundlage gleichberechtigter Partnerschaften.
Rollen verändern sich
Der WWF übernahm im Pilotprojekt die Rolle eines Vermittlers zwischen Systemen, zwischen institutionellen Anforderungen und lokalen Wissens- und Organisationsformen. Ziel war nicht primär, vorgegebene Prozesse umzusetzen, sondern Brücken zu bauen und Übersetzungsarbeit zu leisten.
Pilotprojekt als Ausgangspunkt für mehr
Aus der Korbflechtübung wird auch klar: Ein Pilotprojekt liefert kein fertiges Rezept, es ist Ausgangspunkt für die Gestaltung von ausgeglicheneren Partnerschaften. Viele Fragen bleiben offen:
- Wie können solche Ansätze skaliert werden?
- Welche institutionellen Anforderungen sind notwendig und wo gibt es Spielraum?
- Wie können Geldgeber stärker in diese Diskussion einbezogen werden?
Das Pilotprojekt hat mit konkreten Beispielen gezeigt, dass es Antworten auf diese Fragen gibt. Es gibt Möglichkeiten, Rechenschaftsanforderungen an lokale Gegebenheiten anzupassen, traditionelles Wissen anzuerkennen und so den lokal geführten Naturschutz zu ermöglichen und mit lokalen Organisationen auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten.
Asomi und WWF flechten zusammen Körbe.
ASOMI vereint 63 indigene Frauen der fünf Völker Siona, Cofán, Inga, Kamëntsá und Coreguaje aus den Provinzen Putumayo und Caquetá im kolumbianischen Amazonas. Die Frauen bringen unterschiedliche indigene Traditionen, Sprachen und Wissenssysteme ein und setzen sich gemeinsam für den Schutz des Amazonaswaldes, die Stärkung indigener Medizin und die Weitergabe traditionellen Wissens ein. Herzstück ihrer Arbeit ist ein 53 Hektaren grosses Gebiet, das Naturschutz, kulturelle Identität und spirituelle Praxis miteinander verbindet. Im Zentrum steht die Überzeugung, dass die Beziehung zwischen Frauen, Natur und Leben eine zentrale Grundlage für den Schutz ihres Lebensgebiets und das Wohlergehen heutiger und künftiger Generationen ist.
Schwerpunkte von ASOMI
- Schutz und Wiederherstellung traditioneller Heilpflanzen und Medizingärten (den Chagras)
- Stärkung indigener Medizin und spiritueller Praktiken
- Weitergabe traditionellen Wissens an jüngere Generationen
- Förderung der Rolle indigener Frauen im Management von Land und Umwelt
- Schutz von Natur, Kultur und Lebensgrundlagen im Amazonasgebiet
Fragen, Anregungen zum Pilotprojekt und dem Thema Inclusive Conservation?
Kinder arbeiten im Garten des «Green Generation Clubs» des WWF Myanmar.
Grüsse aus einem Klassenzimmer ohne Wände
Eine Gruppe von Kindern sitzt auf der roten Erde, umgeben von Okra-, Flaschenkürbis- und Bittermelonenpflanzen. Einige stecken vorsichtig weitere Setzlinge in den Boden, andere jäten Unkraut. Nan Yu Zana Soe geht von einem Kind zum nächsten. Einem zeigt sie, wie man die Flaschenkürbis-Triebe mit Stöcken stützt, einem anderen, wie richtig gegossen wird.
Nan Yu Zana Soe ist Anfang zwanzig. Sie arbeitet als Pädagogin in diesem kleinen Dorf, das mehr als 600 Kilometer von Yangon, dem Handelszentrum Myanmars, entfernt liegt. In der Nähe locken wunderschöne Strände, Flüsse schlängeln sich durch die Hügel in Richtung Meer. Üppige Wälder umgeben das Dorf. Sie versorgen die Bewohner, die hauptsächlich mit Landwirtschaft ihr Auskommen finden, mit Nahrung, Wasser, Medizin und Holz.
Dennoch sehen sich Nan Yu Zana Soe und die anderen Dorfbewohner mit grossen Herausforderungen konfrontiert. In Teilen des Waldes werden Bäume abgeholzt, Minen verschmutzen Gewässer, und Wildtiere wie Pangoline werden gewildert. Die Menschen sind auf diese natürlichen Ressourcen angewiesen. Ihre Zerstörung hat direkte Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen, beispielsweise auf den Zugang zu sauberem Wasser oder durch verstärkte Erosion, die Häuser der Gefahr von Erdrutschen aussetzt. Und in den letzten Jahren konnten viele junge Menschen in abgelegenen Gemeinden nur mit Unterbrechungen zur Schule.
Hier kommen die Kinder ins Spiel, die im Garten arbeiten und lernen. Sie sind Mitglieder des örtlichen Green Generation Club, der von Nan Yu Zana Soe geleitet wird.
„Vor einigen Jahren habe ich beschlossen, mich zu engagieren, als mir bewusst wurde, wie sehr unsere Natur zunehmend zerstört wurde“, sagt sie. „Ich wollte weitere Zerstörung verhindern.“ Der WWF Myanmar hat den Green Generation Club gegründet. In schwierigen Zeiten setzen sich engagierte junge Menschen wie Nan Yu Zana Soe weiterhin für Umweltschutz und Bildung ein. Zu Beginn war es für Nan Yu Zana Soe und den Green Generation Club nicht einfach. „Als wir anfingen, wollten nur sehr wenige mitmachen, und viele wussten nicht recht, was wir vorhatten“, erinnert sie sich. „Ich und die Mitarbeiter des WWF haben hart daran gearbeitet, ihr Vertrauen zu gewinnen.“ Sie führte geduldig Aktivitäten mit jenen Kindern und Eltern durch, die mitmachten.
Beim Green Generation Club-Programm des WWF Myanmar geht es darum, jungen Menschen das Wissen und die praktischen Fähigkeiten zu vermitteln, damit sie sich in ihrer Umgebung für den Umweltschutz einsetzen können. Es verbindet Umweltbildung mit praktischen Aktivitäten und behandelt Themen wie Wälder, Artenvielfalt, Klimawandel, Abfallwirtschaft und Schädigung der Böden – durch Baumpflanzaktionen, gemeinsamen Aufräumaktivitäten, Exkursionen und „Wasser-Detektiv“-Spielen, bei denen Kinder und Familien mehr über die lokalen Wasserressourcen lernen.
Nan Yu Zana Soe hat ihre Erfahrungen als Umweltpädagogin aufgeschrieben (l). Kinder im Garten (r).
Mit der Zeit erkannten die Familien die Vorteile des Klubs und die Beteiligung stieg. „Die Gemeinschaft wuchs allmählich zusammen“, sagt Nan Yu Zana Soe. „Dies war etwas vom Schönsten, das ich bei meiner Arbeit miterleben konnte.“ Besonders populär sind die Öko-Gärten. In kleinen Gruppen pflanzen die Kinder Gemüse, Blumen und einheimische Pflanzen und lernen dabei etwas über Ökosysteme, Bodengesundheit und Biodiversität. In diesen «lebendigen Klassenzimmern» erleben sie und ihre Familien hautnah, wie Umweltwissen ihr tägliches Leben unmittelbar verbessert. Die Gärten liefern Nahrungsmittel und lassen den Schutz der Natur greifbar werden. Dies regt die Menschen dazu an, diesen in ihren Alltag zu integrieren.
Die Kinder lernen, Verantwortung für die Bewässerung und Pflege ihrer Beete zu übernehmen; die gemeinsame Arbeit gipfelt in jährlichen Öko-Garten-Wettbewerben, die Kreativität, Teamarbeit und Umweltverantwortung fördern. In einem Land, in dem der Zugang zu Bildung zunehmend schwieriger wird, insbesondere in abgelegenen Gemeinden, bietet Umweltbildung nicht nur Lernmöglichkeiten, sondern auch die Chance, Führungskompetenzen zu erwerben und sich zu engagieren. Dies hilft den Kindern, Resilienz aufzubauen, um ökologische und soziale Herausforderungen zu meistern.
Junge Menschen aus der Gemeinde werden vom WWF ausgewählt, um an einem Programm „Training für Trainer“ teilzunehmen, in dem sie sich mit Klimawandel, Umweltschutz und Katastrophenvorsorge befassen. Diese Kurse werden vom Umweltbildungsteam des WWF-Myanmar geleitet; auch Nan Yu Zana Soe wurde einst im Rahmen dieses Programms ausgebildet.
Für sie misst sich Erfolg nicht am Erreichen isolierter Ziele, sondern an stetigem Wandel. Kinder lernen selbstbewusst, Familien bauen nachhaltig Nahrungsmittel an und Gemeinden beginnen mit praktischen Schritten ihre Wälder und Wasserquellen zu schützen, auf die sie seit jeher angewiesen sind. Nach acht Jahren engagierten Einsatzes ist Nan Yu Zana Soe nach wie vor davon überzeugt, dass Wandel dann entsteht, wenn Menschen verständnis- und respektvoll zusammenarbeiten. In ihrem Dorf ist dieser Wandel in Gang gekommen.
Aufgezeichnet von Sein Myauk Myauk, WWF Myanmar
Der WWF Schweiz arbeitet mit dem WWF Myanmar eng zusammen, unter anderem in einem Projekt, das die grosse Artenvielfalt in der Dawna-Tenasserim-Landschaft in Myanmar und Thailand schützt.
Das internationale Programm des WWF Schweiz wird von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA, Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, mit einem Kernbeitrag unterstützt.
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Redaktion: Thomas Häusler