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Schmetterlinge. Amazonas, Brasilien
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13. Oktober 2022

Für einen lebendigen Planeten: der «Living Planet Report»

Der «Living Planet Report 2022» zeigt: Wir verlieren die Natur in einem alarmierenden Tempo. Die im Bericht untersuchten Tierbestände sind zwischen 1970 und 2018 um durchschnittlich 69 Prozent zurückgegangen. Es liegt an uns Menschen, diesen fatalen Trend umzukehren. Noch können wir das Blatt wenden.

Die untersuchten Bestände von Fischen, Vögeln, Säugetieren, Amphibien und Reptilien sind zwischen 1970 und 2018 um durchschnittlich 69 Prozent zurückgegangen.

Der «Living Planet Report» wird seit 1998 alle zwei Jahre vom WWF gemeinsam mit führenden Wissenschaftlern und weiteren Organisationen verfasst. Veränderungen in der Natur werden registriert, das Aussterberisiko von verschiedenen Arten und der Zustand der wichtigsten Ökosysteme untersucht. Das Resultat könnte eindeutiger nicht sein: Wir verlieren die Natur in einem beunruhigenden Tempo. Die untersuchten Bestände von Fischen, Vögeln, Säugetieren, Amphibien und Reptilien sind zwischen 1970 und 2018 um durchschnittlich 69 Prozent zurückgegangen. Die Hauptursachen für den weltweiten Rückgang der Wildtierbestände sind der Verlust von Lebensräumen, die Ausbeutung, die Umweltverschmutzung, die Klimakrise, Krankheiten sowie die Ausbreitung invasiver Arten.

Thomas Velacott, Geschäftlsleiter WWF Schweiz

«Unsere Gesundheit, Gesellschaft, Wirtschaft, ja unsere gesamte Existenz hängt von der Natur ab. Sie ist wie ein Turm. Jeder Baustein dieses Turms stellt eine Tier- oder Pflanzenart dar. Je mehr Steine herausgeschlagen werden, sprich je mehr Arten aussterben, umso instabiler wird er. Der aktuelle Report zeigt: Wir dürfen keine Zeit verlieren, um das Blatt zu wenden für einen lebenswerten Planeten für uns und unsere Kinder.»

Mehr als eine Zahl

Ein durchschnittlicher Rückgang von 69 Prozent klingt alarmierend aber was bedeutet diese Zahl konkret? Testen Sie Ihr Wissen, um einen Eindruck dafür zu gewinnen, was sich hinter diesem Prozentsatz alles verbirgt.

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Luftaufnahme eines abgeernteten Kornfeldes mit angrenzendem Wald
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Amazonasdelfin in Rio Negro, Amazonas

Die Landwirtschaft ist die grösste Bedrohung für Amphibien, während Jagd und Fallenfang die grössten Bedrohungen für Vögel und Säugetiere darstellen.

Kann der Verlust der Natur gestoppt werden?

Der «Living Planet Report» zeigt nicht nur einen klaren globalen Abwärtstrend, sondern auch, dass dieser gestoppt werden kann. Mittelfristig ist es sogar möglich, den Trend umzukehren und dafür zu sorgen, dass sich die Natur erholt. In der Schweiz zeigt sich das am Beispiel der Biber und Bartgeier. Seit der Wiederansiedlung 1991 mit drei Jungvögeln ist die Bartgeier Population bis heute auf ca. 250 Vögel gestiegen. Die Bestände der Biber haben sich seit der letzten Zählung 2008 gar verdoppelt. Was es braucht, dass dies keine Einzelfälle bleiben ist klar: Wirksame international verbindliche Richtlinien zum Schutz der Biodiversität und zur Reduktion des Ausstosses von Treibhausgasen.

Eine wichtige Chance für ein erstes Etappenziel bietet die Biodiversitäts-Konferenz der Vereinten Nationen (COP15), die im Dezember 2022 in Montreal stattfindet. Dort wird ein neues globales Abkommen zum Erhalt der biologischen Vielfalt verhandelt. Ziel ist es, das Artensterben und den Verlust von Ökosystemen bis 2030 zu stoppen. Der WWF zählt darauf, dass sich die Delgation der Schweiz in Montreal für ambitionierte Ziele für unsere Natur einsetzt.

Betrifft der Verlust der Biodiversität uns alle?

Biodiversität bezeichnet die Vielfalt des Lebens und die Wechselwirkungen zwischen Lebewesen an Land, im Wasser, im Meer und in der Luft – Vielfalt von und Wechselwirkungen zwischen Genen, Populationen, Arten und Ökosystemen.

Diese Ökosysteme, also Wälder, Grasland, Feuchtgebiete, Mangrovensümpfe oder Ozeane, versorgen uns mit allerlei Notwendigem für unser Existenz. Dazu gehören Nahrungs- und Futtermittel, Arzneimittel und Energie. Auch regulieren stabile Ökosysteme das Klima, bieten Schutz vor Naturgefahren und Extremwetterereignissen, reinigen die Luft, übernehmen die Bestäubung und die Verbreitung von Samen, halten Schädlinge und Krankheiten im Zaum und sorgen für gesunde, nährstoffreiche Böden. Kurz: Alles, was unser Leben ermöglicht, hängt von funktionierenden Ökosystemen ab.

Wie hängen Klima und Biodiversitätskrise zusammen?

Die Erde hat sich bereits um durchschnittlich 1,2 Grad Celsius erwärmt. Zwar war der Klimawandel bisher nicht die Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt, doch wenn wir die Klimaziele von Paris nicht einhalten, wird der Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten allen Prognosen nach die Hauptursache für den Verlust der biologischen Vielfalt und für die Verschlechterung der Ökosystemleistungen sein.

Eindrücklich illustrieren lässt sich dieser Zusammenhang zwischen Biodiversitäts- und Klimakrise am Beispiel der Warmwasserkorallen. Etwa 50 Prozent der Warmwasserkorallen sind bereits verschwunden. Eine Erwärmung um 1,5 Grad wird zu einem Verlust von 70 bis 90 Prozent führen, und eine Erwärmung um 2 Grad wird gar einen Verlust von mehr als 99 Prozent der Warmwasserkorallen zur Folge haben. Wenn aber die Korallen wegfallen, fällt das ganze Ökosystem zusammen. Denn keine Korallen bedeutet für andere Fische kein Futter und keinen Lebensraum. Dies wiederum hat Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette der Meerlebewesen und damit auf die Stabilität des ganzen Systems.

Warum sind Wälder besonders wichtig?

Wälder sind für die Regulierung des Klimas von grundlegender Bedeutung. Alleine zwischen 2001 und 2019 haben Wälder rund 18 Prozent des von Menschen verursachten CO2-Ausstosses absorbiert. Wälder beeinflussen die Niederschlagsverhältnisse und die Intensität von Hitzewellen. Zusätzlich bieten Wälder unzähligen Arten eine Heimat.

Umso dramatischer ist es, dass wir jedes Jahr rund 10 Millionen Hektaren Wald durch Abholzung verlieren. Das entspricht etwa der Fläche von Portugal. Das hat fatale Folgen: Die Abholzung der Tropenwälder in Zentralafrika oder Südamerika könnte die durchschnittlichen Tagestemperaturen in diesen Regionen um 7 bis 8 Grad erhöhen und die Niederschläge um etwa 15 Prozent verringern. Für viele Arten, auch für uns Menschen, wären derartige Temperaturanstiege nicht auszuhalten.

Was der WWF macht

Die Arbeit des WWF hat zum Ziel, unseren Kindern einen lebenswerten Planeten zu übergeben. Deshalb sind wir heute gefordert, die richtigen Entscheide für morgen zu treffen. Weltweit arbeiten wir daher mit Nachdruck in diesen Bereichen:

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Panda liegt auf Baum

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Freiwillige der Sektion WWF St. Gallen helfen am Brändliberg, St. Gallen, Schweiz

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