Plastiksack auf dem Meeresgrund in Belize

Verschmutzung der Meere

Der Ozean – dieses unendliche Blau, das unseren Planeten ausmacht – wird von Tag zu Tag mehr zur Müllhalde der Erde. Von Plastiksäcken bis hin zu Pestiziden landet der meiste Abfall, den wir an Land produzieren, irgendwann im Meer. Schifffahrt und Ölplattformen tragen ebenfalls zur Verschmutzung der Meere bei. Der WWF arbeitet daran, Behörden und Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, so dass Massnahmen zum Meeresschutz erlassen und durchgesetzt werden.

Jede Minute ein Müllwagen Plastikmüll ins Meer

86 Millionen Tonnen Plastik schwimmen in unseren Ozeanen

Plastiksäcke, Ballone, Schuhe, Verpackungsmaterialien: Wenn wir Abfälle nicht korrekt entsorgen, landen sie früher oder später im Meer. Besonders Plastik ist ein Material, das biologisch nicht abbaubar ist und immer wieder in die Mägen von Walen, Möwen, Meeresschildkröten und anderen Tieren gelangt. Plastikteile können im Hals stecken bleiben oder den Verdauungsstrakt verstopfen – und so die Atemwege und die Nahrungsaufnahme der Tiere blockieren. Wenn sich Jungtiere im Plastik verheddern, kann das zu Hautschäden oder Deformierungen im Wachstum führen. Der Abfall kann aber auch wieder ans Land zurückgeschwemmt werden und Strände und andere Küstengebiete verschmutzen. Jedes Jahr gelangen geschätzte 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere. Schwerpunktregion des Mülleintrags ist dabei Südostasien. Schätzungsweise sind bereits insgesamt mindestens 86 Millionen Tonnen Plastik in die Meere gelangt, wovon ein grosser Teil auf den Meeresgrund abgesunken ist. Zusätzlich gelangt Mikroplastik in die Gewässer und in die Ozeane. Mikroplastik entsteht durch Abrieb von Autoreifen, beim Waschen von Kunststofftextilien oder durch den Zerfall von Plastikmüll. Zusätzlich werden kleine Kunststoffpartikeln Kosmetikprodukten wie Hautcremes, Peelings, Duschgels und Shampoos beigemengt und gelangen über das Abwasser in Flüsse und Meere. Mikroplastik kann von Meeresorganismen aufgenommen werden: In vielen Tieren wurden solche kleinen Kunststoffpartikel gefunden.

Eine weitere Quelle von Abfall im Meer sind Fischerboote. Fischer verlieren auf hoher See ihre Netze oder werfen kaputte Netze ganz einfach über Bord. Darin verheddern sich Wale, Delfine und andere Meeressäuger und ertrinken qualvoll. Allein in die Ostsee gelangen jährlich bis zu 10'000 herrenlose Netzteile.

Plastiverschmutzung eines Küstenabschnitts in Belize

Jedes Jahr gelangen zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Meere

Der Ozean – ein einziger grosser Giftcocktail?

Herkunft der Abfälle im Meer

Abfälle vom Land wie Plastikflaschen80%
Abfälle vom Meer wie Fischernetze20%

80 Prozent der Meeresverschmutzung entsteht an Land.

Dünger, Pestizide und Chemikalien machen unseren Meeren zu schaffen. Ein grosses Problem für Küstengebiete sind Oberflächenabflüsse von Düngemitteln von den Feldern. Über die Flüsse gelangen sie ins Meer. Die Überdüngung kann in Seen und im Meer Algenblüten auslösen. Dadurch wird der im Wasser gelöste Sauerstoff verringert, und viele Meereslebewesen ersticken. Das Phänomen kreiert grossflächig tote Zonen, wo kein Leben mehr möglich ist, zum Beispiel in Teilen des Golfs von Mexiko oder in Teilen der Ostsee.

Das Problem beschränkt sich aber nicht nur auf Küstengebiete: Nahezu jedes Lebewesen im Meer ist mit Chemikalien kontaminiert. Bis in die 1970er-Jahre wurden die Ozeane als bequeme Müllhalde betrachtet. Fast alles wurde absichtlich im Meer «entsorgt» – auch Pestizide, chemische Waffen und radioaktive Abfälle. Man hat angenommen, dass die Ozeane gross genug seien, um Unmengen Chemikalien so zu verdünnen, dass sie nicht mehr gefährlich sind. In Wahrheit sind die giftigen Stoffe aber nicht verschwunden, sondern gelangen teils konzentriert via Nahrungskette wieder zum Menschen zurück. Das Londoner Deponieabkommen für toxische Materialien brachte nach 1972 eine gewisse Besserung. Dieses Abkommen diente dem Schutz der Meere vor Verschmutzung durch Giftmüll und radioaktive Abfälle. Das Nachfolgeabkommen – die Londoner Konvention – umfasst seit 1996 verschärfte Restriktionen wie ein Verbot für das Einlassen von radioaktiven und industriellen Abfällen und das Verbrennen von Giftmüll auf dem Meer. Verschmutzungen aus früheren Jahren und ungebremste illegale Müllentsorgung haben aber bereits jetzt eine Verschmutzung der Meere verursacht. Auch legale Abfälle können das Meer erheblich gefährden, Chemikalien gelangen immer wieder versehentlich bei der Herstellung, dem Gebrauch und der Entsorgung von Gütern ins Meer.

Öl – Verursacher der grössten Umweltkatastrophen

Unfälle bei Offshore-Ölbohrungen und beim Transport von Erdöl verursachen grosse Schäden. Obwohl nach dem Unfall von 2010 auf der Ölplattform «Deepwater Horizon» im Golf von Mexiko an der Oberfläche nichts mehr von der Ölverschmutzung zu sehen ist, ist die grösste Umweltkatastrophe der amerikanischen Geschichte nicht zu Ende. In einem weiten Umkreis um das Bohrloch ist der Meeresboden nach wie vor verschmutzt. Und an betroffenen Küstenabschnitten ist die Erosion signifikant stärker, da das Bodengefüge durch das Öl langfristig beschädigt wurde. Erdöl, Dispersionsmittel oder die Kombination von beidem ist für viele Organismen tödlich.

Ende 2010 verkündete das US-Innenministerium, dass bis 2017 keine neuen Meeresgebiete mehr für die Ölförderung freigegeben werden. Der WWF und andere Umweltverbände forderten eine Verlängerung des Verbots. Dennoch hat Shell von der US-Regierung die Erlaubnis erhalten, mit den Vorbereitungen für baldige Ölbohrungen in der Arktis weiterzufahren. Bisher wissen wir noch viel zu wenig über das Ökosystem der Arktis, ausserdem herrschen in den arktischen Regionen mehrere Monate pro Jahr Bedingungen, die die Beseitigung einer allfälligen Ölkatastrophe verunmöglichen – alles in allem ist diese Entwicklung also höchst riskant und eine potenzielle Bedrohung für die arktische Umwelt.

Ein Pinguin mit von Öl verklebtem Fell in Südafrika

Ein Pinguin mit ölverklebten Federn: Ausgelaufenes Öl richtet im Ökosystem Meer aber nicht nur kurzfristig grosse Schäden an

Es ist noch nicht zu spät

Bestandesaufnahmen und Studien malen ein düsteres Bild für die Zukunft der Meere. Es ist aber noch nicht zu spät, unsere Ozeane wieder zu sauberen und ressourcenhaltigen Lebensräumen zu machen. Der WWF nimmt Regierungen und Unternehmen in die Pflicht, damit Regulierungen zur Abfall- und Chemikalienentsorgung erlassen und auch eingehalten werden. Zudem setzt sich der WWF für weitere und grössere Meeresschutzgebiete ein, in denen die Fischerei streng kontrolliert wird und Bohrungen, etwa nach Öl, verboten sind.

Was Sie tun können

Damit der WWF weiter gegen die Verschmutzung der Meere ankämpfen kann, brauchen wir Ihre Unterstützung. Helfen Sie uns mit einer Spende für die Meere oder mit einer symbolischen Delfin-Adoption. Und unser Einkaufsratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Fische geniessen können, ohne die Meere zu belasten.

Luftaufnahme Hardy Riff. Teil des Great Barrier Riffs in Australien.

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