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Blick auf den Windpark Gries beim Nufenenpass in Overgoms, VS

Windenergie – Die optimale Ergänzung für die Stromproduktion in der Schweiz

Die Windenergie leistet einen wichtigen Beitrag zur Energieversorgung, insbesondere im Winter. Der WWF befürwortet die Windkraft an naturverträglichen Standorten in der Schweiz.

Braucht wir Windenergie in der Schweiz? Fakt ist wir müssen massiv zulegen bei den erneuerbaren Energien. Nur so können wir unseren Energiebedarf ohne Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl, Gas oder Kohle decken. Die Windenergie kann bei dieser Energiewende in der Schweiz eine Rolle spielen – im Vergleich zur Solarenergie und Wasserkraft aber eine kleinere. Derzeit stammt aber weniger als 1 Prozent des Schweizer Stroms aus Windkraft.

Dies ist nicht der Tatsache geschuldet, dass in der Schweiz kein Potenzial vorhanden wäre. Sie ist zwar kein klassisches Windkraftland wie Deutschland oder Dänemark, aber sie weist durchaus günstige Standorte auf: im Jura, in den Voralpen, auf einigen Graten und in einigen Tälern der Alpen. Die Ursachen für den schleppenden Ausbau sind politischer Natur und die fehlende Akzeptanz.

Eine verstärkte Nutzung der Windenergie würde insbesondere in den Wintermonaten für Entlastung sorgen: Im Winter ist der Strombedarf heute grösser als die Produktion. Im Winter wehen aber die kräftigsten Winde in der Schweiz, darum produzieren Windräder rund zwei Drittel ihres Stroms in der kalten Jahreszeit.

Windturbinen liefern circa 65 Prozent ihrer Jahresproduktion im Winterhalbjahr, was die besonders kritische Versorgungslage während der kalten Monate entschärft und den Strommix der Schweiz so perfekt ergänzt.

Wie sieht eine sinnvolle Nutzung der Windenergie aus?

«Unter Berücksichtigung von Naturschutz und Klimaschutz sind 215 bis 310 Windenergie-Anlagen in der Schweiz sinnvoll und realisierbar.»

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Portrait von Kurt Eichenberger

Die kleinräumige und dicht besiedelte Schweizer Landschaft eignet sich vor allem für konzentrierte, kleine und mittlere Windparks, insbesondere in Gebieten, die schon heute gut erschlossen sind. Grosse Windparks, wie sie in den USA und in Norddeutschland vorkommen, sind nicht realisierbar.

Zusätzlich muss sichergestellt werden, dass der Naturschutz nicht zu kurz kommt. Windräder beeinträchtigen nicht nur das Landschaftsbild, je nach Standort sind sie auch eine Gefahr für Vögel oder Fledermäuse. Darum braucht es Massnahmen, um diese Tiere zu schützen: zum Beispiel Anlagen, die erkennen, wenn sich ein Vogelschwarm nähert oder Fledermäuse besonders aktiv sind, und die in solchen Fällen die Rotoren für kurze Zeit stoppen. Auch die Lärmbelastung in unmittelbarer Nähe der Windräder und Irritationen der Tiere durch Lichtreflexe sind Nachteile, die berücksichtigt werden müssen.

Windparks hatten es in der Vergangenheit nicht leicht in der Schweiz. Teile der Bevölkerung stehen ihnen skeptisch gegenüber. Doch dies beginnt sich zu ändern: Seit 2012 wurden 13 Windenergieprojekte an der Urne bewilligt.

Wie viel Strom erzeugt ein Windrad?

Die Leistung einer Windanlage hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dabei sind nicht nur Standort, sondern auch Höhe der Windräder und Flügellänge entscheidend. Ein typisches Windrad an einem für Schweizer Windverhältnisse typischen Standort produziert jährlich rund 6 GWh Strom. Das entspricht etwa dem Verbrauch von 1700 Haushalten.

Wie gefährlich sind Windräder für unsere Vögel?

Gemäss einer Studie aus dem Jura verunfallen jährlich etwa 21 Vögel pro Windrad. Das ist traurig, aber verglichen mit der Anzahl Vögel, die wegen Kollisionen mit Glasfassaden verletzt oder von Katzen gefressen werden (rund 2 Millionen pro Jahr) eine relativ kleine Zahl.

Dennoch ist es wichtig, dass diese Zahl mit entsprechenden Vorsichtsmassnahmen weiter reduziert wird. Beim Bau von Windrädern muss insbesondere darauf geachtet werden, dass wichtige Vogel- oder Fledermausrouten nicht betroffen sind. Ausserdem ist es wichtig, dass Standorte im Wald vermieden werden und die Anlagen automatisch stoppen, wenn Gefahr für Vögel und Fledermäuse droht.

Was schädlich sind die Lärmemissionen für Mensch und Tier?

Für die Lärmemissionen von Windrädern gelten strenge Vorschriften. Messungen zeigen, dass Windräder leiser sind als der durchschnittliche Geräuschpegel in einem Büro. Somit sind ihre Geräusche kein Problem für die meisten Wild- und Nutztiere. Auch für uns Menschen fallen die Lärmbelastungen durch Strassen und Autobahnen viel stärker ins Gewicht.

Der WWF Schweiz und die Windkraft

Der WWF Schweiz befürwortet die Windkraft als Bestandteil der zukünftigen Schweizer Stromerzeugung. Dabei ist wichtig, dass durch Bau und Betrieb von Windkraftanlagen wenig Schaden an der Natur entsteht. Aus diesem Grund hat der WWF klare Kriterien erarbeitet, wo die Windenergieerzeugung Sinn macht und was bei Bau und Betrieb der Anlagen beachtet werden muss.

Für die Politik heisst das, dass eine übergeordnete Planung stattfinden muss. Umweltschutz- und Nutzungskriterien müssen frühzeitig und gleichwertig in die Planung einfliessen.

Was Sie sonst noch tun können

Oftmals scheitern Windprojekte am lokalen Widerstand. Sehr gut organisierte Windkraft-Gegner dominieren dabei den Diskurs. Informieren Sie sich unabhängig über ein geplantes Projekt, und wenn es sie überzeugt, unterstützen sie die lokale Pro-Gruppe. Die zuständigen WWF-Sektionen machen oft ebenfalls eine solche Beurteilung. Diese können als Richtschnur gelten.

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Frau steht lächelnd am Bahnhof

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Sonne geht hinter der Erde unter

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