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Flugzeug mit Kondensstreifen

Flugverkehr

Die Fliegerei gehört zu den wichtigsten Treibern der Klimaerhitzung. Denn ihr Klimaeffekt ist enorm: In der Schweiz ist der Flugsektor seit 2015 der grösste Verursacher von Triebhausgasen. Deshalb fordert der WWF ein rasches Umdenken von Politik, der Flugindustrie und nicht zuletzt von uns Konsumentinnen und Konsumenten.

Trotz massivem Einfluss auf die Klimaerhitzung hat sich der Flugverkehr global seit 1990 fast verdreifacht. Schweizerinnen und Schweizer spielen hier eine bedeutende und unrühmliche Rolle: Wir sind ein Volk von Vielfliegern! Im Vergleich zu unseren Nachbarländern steigen wir im Schnitt doppelt so häufig in ein Flugzeug.

Fliegen ist heute erschwinglich und gehört immer mehr zu einem weitverbreiteten Lifestyle, der von extremen Mobilitätsanforderungen geprägt ist. Für die tiefen Flugpreise sind dabei nicht nur der technische Fortschritt oder die erbitterte Konkurrenz in der Branche verantwortlich. Vielmehr sind Flugreisen auch deshalb preiswert, weil ein Grossteil der dabei entstehenden Kosten auf Umwelt und Allgemeinheit abgewälzt wird.

Im Gegensatz zum Auto- oder Bahnverkehr zahlt der Sektor nämlich keinerlei Beitrag an den Klimaschutz und ist zusätzlich sogar steuerbefreit: Fluggesellschaften entrichten keine Mineralölsteuern auf Kerosin, und die Passagiere zahlen keine Mehrwertsteuer. Flughäfen sind zudem meist mithilfe billiger oder gar kostenloser Staatsdarlehen erbaut worden. Die Luftfahrt wird also schon seit Jahren direkt oder indirekt subventioniert, und damit subventionieren wir die Erhitzung der Erde.

Für unsere Zukunft auf diesem Planeten hat diese Art der Mobilität also einen sehr hohen Preis. Die Fliegerei ist weltweit für rund sieben Prozent des Treibhausgasausstosses verantwortlich, in der Schweiz sogar für 27 Prozent. Um es klar und deutlich zu sagen: Mit jedem Flug, den ich antrete, verkürze ich das Leben eines anderen Menschen. Denn jeder Flug befeuert die Klimakrise, und an deren Folgen – wie Dürren oder Hitzewellen – leiden Menschen (und Tiere) auf der ganzen Welt.

Grafik: Treibhausgas-Emissionen in MillionenTonnen CO2-Äquivalente nach Sektoren. Die CO2-Emissionen des Flugverkehrs werden mit einem Radiative Forcing Index (RFI-Faktor) von 3 multiplizierte, um die Nicht-CO2-Effekte wie Wasserdampf oder Stickoxide zu berücksichtigen. Der Flugsektor (violett) hat die stärkste negative Klimawirkung.

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Zwei Jets auf schwarzem Hintergrund
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Chaotische Zustände am Flughafen

Die Fliegerei ist weltweit für rund sieben Prozent des Treibhausgasausstosses verantwortlich, in der Schweiz sogar für 27 Prozent.

Klimaungerechtigkeit und die Fliegerei

In kaum einem anderen Bereich zeigt sich das Ausmass der Klima-Ungerechtigkeit drastischer als in der Fliegerei. Mit ein Retour-Flug von Paris nach New York verursacht ein einzelner Passagier Emissionen im Umfang von 3,2 Tonnen CO2-Äquivalenten. Das ist ungefähr dreimal so viel wie der durchschnittliche jährliche CO2-Fussabdruck einer Person aus Uganda. Somit träg eine Einzelperson mit einem einzigen Flug mehr zur Klimaerhitzung bei als mehrere Personen mit ihrem Alltagsemissionen während eines ganzen Jahres!

Es ist nur eine privilegierte Gruppe, die überhaupt fliegen: Die grosse Mehrheit der Menschen – etwa 80 Prozent – ist noch nie in ein Flugzeug gestiegen. Sogar nur ein Prozent der Weltbevölkerung verursacht etwa die Hälfte der flugbedingten Treibhausgasemissionen. Ein winziger Teil der Menschheit trägt also – einzig und allein durch ihr Flugverhalten – überproportional zur Verschlimmerung der Klimakrise bei.

Nicht nur die Flüge selber, auch der Ausbau der weltweiten Fluginfrastruktur verursacht weitere Gesundheits- und Umweltschäden. Das reicht von krankmachendem Lärm und Luftverschmutzung der unmittelbaren Umgebung bis zu den Folgekosten in Form von riesigen Infrastrukturausbauten und Overtourismus. Diese befeuern die Klimakrise noch zusätzlich.

Welchen Einfluss hatte die Covid-19-Pandemie auf den Flugverkehr?

Noch ist es zu früh, um die vollständigen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Luftfahrt zu analysieren. Die hohe Nachfrage im Frachtbereich und die halbleeren Flüge – auch um die Startslots nicht zu verlieren – liessen die Klimawirkung der Luftfahrt aber längst nicht so stark sinken, wie es dringend nötig ist. Und die Abnahme dürfte nur temporär gewesen sein, denn die Luftfahrtbranche hat das klimaschädigende Niveau von 2019 schon bald wieder erreicht und wird weiter zunehmen. Bereits die Zahlen von 2020 geben zur Sorge Anlass. Geradezu alarmierend im Vergleich ist der regelrechte Flugboom, der sich im ersten Halbjahr von 2022 abzeichnet. Dieser Aufwärtstrend muss gestoppt werden.

Warum ist Fliegen besonders klimaschädlich?

Durch die Fliegerei werden nicht nur Unmengen an CO2 ausgestossen. Auch andere, noch klimschädliche Stoffe – vor allem Stickoxide (NOx) und Wasserdampf – werden dabei emittiert. Diese Substanzen sind in der Höhe, wo sie ausgestossen werden, besonders klimaschädigend, weil dies die Lebensdauer der ausgestossenen Moleküle verlängert. Je länger Treibhausgaspartikel in der Atmosphäre verweilen, desto mehr Wärme wird dadurch auf die Erde zurückgestrahlt. Dies führt wiederum zu einer stärkeren Erhitzung des Planeten. Zusätzlich verstärkend wirken Kondensstreifen und durch das Fliegen verursachte Wolken.

Um den tatsächlichen Klimaeffekt der Luftfahrt zu ermitteln, müssen deshalb die CO2-Emissionen mit dem Faktor 3 multipliziert werden. Nur so lässt sich der Beitrag der Luftfahrt zur Erderhitzung akkurat abschätzen. Detaillierte Information zur Berechnung der Flugemissionen finden Sie in unserem Factsheet.

Wie wirksam sind C02-Kompensationen?

Wenn sich ein Flug nicht vermeiden lässt, dann ist es besser, ein Klimaschutzprojekt möglichst grosszügig zu unterstützen, als einfach nichts zu tun. Allerdings kann diese Kompensation die emittierte Tonnen CO2 nicht ungeschehen machen, zumal die angebotenen Zertifikate meist ihre Versprechen nicht einhalten können. Verschiede Arlines bieten auch die Option, einen Aufpreis für erneuerbare Treibstoffe zu bezahlen. Dies hilft, die Entwicklung einer klimafreundlicheren Fliegerei voranzutreiben. Dennoch sollten wir immer zuerst versuchen, die Emissionen gar nicht erst zu verursachen. Weltweit müssen wir die Treibhausgasemissionen möglichst rasch auf netto null senken und sogar Treibhausgase wieder aus der Atmosphäre entfernen.

Fliegen und die Klimakrise: Die Forderungen des WWF

Als Land der Vielflieger muss die Schweiz Verantwortung für den klimaschädigenden Flugverkehr übernehmen. Der WWF setzt sich für die folgenden Ziele ein:

  • Klimaverträgliche Flugzeuge müssen möglichst bald den Markt dominieren. Synthetisches Kerosin aus erneuerbarem Strom oder direkt aus Solarenergie ist zwar hilfreich, aber nur, wenn der Ausstoss der stark klimawirksamen NOx- und Wasserdampfemissionen gleichzeitig reduziert werden (diese machen heute zwei Drittel der Klimawirkung aus).
  • Solange es keine klimaverträgliche Fliegerei gibt, müssen neue Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass die Flugzeuge primär am Boden bleiben. Dazu braucht es eine Begrenzung des Flugangebots mit verlängertem Nachtflugverbot.
  • Der Ausbau von klimaverträglichen Alternativen zum Fliegen muss vorangetrieben werden. Gerade für Kurzstreckenflüge – über 80 Prozent der Schweizer Passagiere steuern Ziele in Europa an – gibt es eine klimaverträglichere und oftmals schnellere Alternative, nämlich Zug oder Bus. Noch besser ist es, eine Reise zu vermeiden. Mit den heutigen Möglichkeiten für Telefon- und Videokonferenzen sind beispielsweise Flüge zu Geschäftspartnern oft gar nicht mehr nötig.
  • Damit Fliegen einen verursachergerechten Preis erhält, braucht es auf Flugtickets eine Flugticketabgabe. In Deutschland, Österreich und Grossbritannien funktionieren ähnliche Abgaben bereits. Ausserdem fordert der WWF, dass ab sofort auch auf Flugreisen Mehrwertsteuern bezahlt werden.
  • Auf internationaler Ebene braucht es ein verbindliches Abkommen, das die Emissionen des Flugverkehrs regelt. Das Abkommen «Corsia» der Uno-Luftfahrtbehörde ist dafür zu schwach: Statt Emissionen zu reduzieren, werden sie nur kompensiert – und auch das nur zu einem kleinen Teil: Nämlich nur das weitere Emissionswachstum. Mit den Corona-bedingten Anpassungen des Abkommens wurde das Abkommen gänzlich wirkungslos. Wir setzen uns für ein wirksameres System ein, damit Klimaschutz im Flugverkehr nicht nur heisse Luft bleibt.

Was Sie sonst noch tun können

Um die Umwelt zu schonen und das Klima zu schützen, ist es sinnvoll, wenig oder gar nicht zu fliegen. Eine steigende Zahl von Menschen im In- und Ausland haben sich ganz vom Fliegen verabschiedet. Es gibt aber noch eine Menge anderer sinnvoller Tipps, wie Sie Ihren Alltag klimafreundlich gestalten können. Wie das geht, erfahren Sie in unseren Klima-Tipps.

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Frau steht lächelnd am Bahnhof

Klima-Tipps

Mit unseren praktischen Umwelt-Tipps für den Alltag gestalten Sie Ihr Leben nachhaltig und bewusst.

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Sonne geht hinter der Erde unter

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