©
©
Solarzellen

Energieeffizienz

Stereoanlagen im Standby-Betrieb, schlecht isolierte Häuser und überdimensionierte Autos. Wir verschwenden viel Energie – allein beim täglichen Verbrauch rund die Hälfte. Mit kleinen Verhaltensänderungen, effizienteren Geräten und klugen Investitionen kann man dies ändern – und alle würden davon profitieren.

Stellen Sie sich vor: Jeder zweite Bissen Ihres Essens fällt von der Gabel direkt in den Müll. Genauso verhält es sich bei unserem Energiekonsum: Rund die Hälfte wird ungenutzt verschwendet! Beispiel: Ein Auto setzt nur einen Bruchteil der Energie fürs Fahren um, weil der Wirkungsgrad des Verbrennungsmotors so schlecht ist. Ein grosser Teil geht in Form von Wärme ungenutzt verloren.

Während Lebensmittelverschwendung in aller Munde ist, wird unsere Energieverschwendung nur selten angesprochen. Dabei ist das Problem nicht weniger prekär, denn unter den Folgen dieser Energieverschwendung leiden alle – Wirtschaft, Natur und Klima.

Die Verschwendung von Energie schadet dem Klima, der Biodiversität und der Wirtschaft.

Dieser Schaden zeigt sich akut am Beispiel der fossilen Energieträger wie Kohle, Erdöl und Gas. Deren Förderung und Verbrennung verursacht die rasante Erderhitzung und ihre fatalen Folgen für das Leben auf unserem Planeten. Jedes zusätzlich geförderte Fass Öl beschleunigt die Klimakrise. Dazu kommt die Knappheit an Gas. Dieser Gasmangel wird über längere Zeit bestehen bleiben. Verschärft wird er durch einen Mangel an Strom im Winter – in der Heizsaison, wenn der Bedarf an Strom und Gas in der Schweiz besonders hoch ist. Umso alarmierender, dass wir fossile Energieträger nicht nur immer noch nutzen, sondern gar verschwenden! Die Verschwendung gilt natürlich auch für den Strom.

Selbst die Gewinnung von erneuerbaren Energien hinterlässt Spuren in der Natur. Das zeigt sich in der Schweiz am deutlichsten an der Wasserkraft. Wenn Fliessgewässer gestaut werden, hat dies schwerwiegende Konsequenzen für die betroffenen Ökosysteme. Die Gewässerqualität nimmt stark ab, Flüsse werden anfälliger für Trockenheit und Überschwemmungen und die Biodiversität leidet. Deshalb ist jedes Kraftwerk, das nicht gebaut werden muss, weil wir Strom sparen, ein Gewinn für Umwelt und Biodiversität.

Zu guter Letzt schlägt die ineffiziente Nutzung von Energie auch volkswirtschaftlich zu Buche: Wegen der massiven Verschwendung ergeben sich für Wirtschaft, Haushalte und öffentliche Hand Mehrkosten von rund 10 Milliarden Franken pro Jahr: Unnötige Kosten, die sich einfach einsparen liessen.

©
Baustelle an der Grimsel Staumauer
©
Raffinerie mit gut sichtbarer Gasfackel

Exkurs: Was kann jede:r Einzelne tun?

Kurz gesagt: Sehr viel. Und dies tatsächlich auch zu tun, wäre sehr wichtig – wegen des aktuellen Energiemangels und der Klima- und Biodiversitätskrise. Über ein Drittel des Stromverbrauchs in der Schweiz geht auf die Kappe der Haushalte. Da gibt es grosses Potenzial zum Sparen. Ein Beispiel: Wasser wärmen braucht viel Energie, darum erreichen Sie viel, wenn Sie mit warmem Wasser sparsam umgehen. Montieren Sie an allen Wasserhähnen Spareinsätze. Duschen Sie kurz, statt zu baden: Zwei Vollbäder pro Woche verschwenden im Vergleich zu einer 5-minütigen Dusche mit Sparbrause über den Winter etwa 300 kWh Energie und über 5500 Liter Wasser. Nebenbei spart man damit auch noch Geld.

Dies alles lässt sich praktisch sofort und ohne viel Aufwand und Kosten realisieren. Andere Massnahmen sind zwar etwas aufwändiger, aber sie sparen noch deutlich mehr Energie ein, reduzieren Ihren CO2-Ausstoss und senken Ihre Ausgaben: Wenn Sie ein Haus besitzen, ersetzen Sie zum Beispiel Ihre fossile Heizung mit einer Wärmepumpe. Sind Sie Mieter:in, bitten Sie Ihren Vermieter darum. Einen Musterbrief finden sie hier.

Um es Ihnen einfach zu machen, Energie zu sparen, hat der WWF eine umfangreiche Liste mit über 80 konkreten Tipps zusammengestellt, von A wie Aquarium optimieren bis Z wie Zugluft vermeiden. Für Hausmänner, Hausbesitzerinnen, Mieter, für Angestellte und Arbeitgeberinnen, für alle, die ein Hobby haben. Die Kurzversion finden Sie hier.

Wo kann ich meinen Energieverbrauch ablesen?

Die Jahresabrechnung ihres Stromversorgers listet Ihren letzten jährlicher Stromverbrauch auf. (Diese wird nicht zwingend im Januar verschickt.) 

Der Jahresverbrauch ist in kWh (Kilowattstunden) ausgewiesen. Falls Ihr Stromversorger den Verbrauch im Nieder- und Hochtarif (NT und HT) nicht zusammenzählt, müssen Sie dies für den Test selbst erledigen.

Wie kann ich den Energiebedarf eines Gerätes berechnen?

Strom und Wärmekosten werden in Kilowattstunden abgerechnet. Eine Kilowattstunde (1 kWh) entspricht der Energie, die ein elektrisches Gerät mit einer Leistung von 1000 Watt während einer Stunde aufnimmt.

Um herauszufinden, wie viel Strom ein Gerät verbraucht, können Sie diese einfache Formel verwenden: Leistung (Watt) x Zeit (Stunden) = Stromverbrauch in Wattstunden (Wh). Wenn Sie dieses Ergebnis dann durch 1000 teilen, erhalten Sie den Betrag in kWh.

Mit einer Kilowattstunde kann man circa 50 Stunden an einem Laptop arbeiten, ein Abendessen für vier Personen kochen oder eine Ladung 60-Grad-Wäsche waschen.

Bedeutet Energieeffizienz, dass ich künftig auf Komfort verzichten muss?

Gemäss den aktuellen Energieperspektiven des Bundes kann der durchschnittliche Energieverbrauch pro Kopf durch technische Massnahmen um rund die Hälfte reduziert werden. Sie müssen aber keineswegs Angst haben, dass Sie künftig abends im Dunkeln sitzen müssen oder nur noch kalt duschen können. Bei der Effizienz geht es nämlich darum, mit der gleichen Menge an Energie mehr Nutzen herauszuholen. Hierbei gibt es einfache Massnahmen, die viel bewirken. Grosse Effizienzgewinne erreichen Sie, wenn Sie von benzin-, öl-, oder gasbetriebenen Geräten auf elektrisch betriebene Geräte wechseln. Beispielsweise beim Umstieg auf ein Elektroauto oder von einer Gasheizung auf eine Wärmepumpe.

Aber auch kleine Anpassungen im Alltag helfen, die Verschwendung einzudämmen. Zwei Beispiele: Wenn Sie Ihren Kühlschrank auf 6 statt 4 Grad einstellen, benötigt dieser rund 12 Prozente weniger Strom. Bei einer Waschtemperatur von 30 Grad reduziert sich der Strombedarf um rund 40 Prozent gegenüber eines 60-Grad-Waschgangs.

Wie wirksam sind Energiesparmassnahmen?

Obwohl das Einsparungspotenzial von solchen effizienzbasierten Sparmassnahmen beachtlich ist, führt kein Weg an grundlegenden Veränderungen vorbei. Sonst ist die Gefahr gross, dass Effizienzsteigerungen den Energiebedarf nicht effektiv reduzieren, sondern lediglich den Konsum weiter ankurbeln. Deshalb genügt es beispielsweise nicht, einfach ein Elektroauto zu kaufen, viel eher muss hinterfragt werden, ob man überhaupt noch ein (eigenes) Auto benötigt.

Solche grundlegenden Veränderungen liegen häufig nicht vollständig in den Händen von Einzelpersonen. Stattdessen sind Politik und Unternehmen mindestens in gleichen Teilen gefordert. Auch die Wirtschaft muss Energie effizienter einsetzen. Die Politik muss den Menschen ermöglichen, dass sie im Alltag Energie sparsamer nutzen können. Nur wenn Konsument:innen, Wirtschaft und Politik zusammenarbeiten, können wir spürbare Fortschritte machen.

Erfolgsbeispiele

Den Nachweis, dass einfache Massnahmen Früchte tragen, ist längst erbracht. Wie konkrete Umsetzungen aussehen und dass Energiesparen keine Hexerei ist, zeigen diese Beispiele.

Die naheliegende Lösung: Energie effizient nutzen

Effizienzsteigerung bedeutet, mit der gleichen Menge von etwas mehr herauszuholen. Energietechnisch liegt das grösste Sparpotenzial dabei in den drei Bereichen Strom, Gebäude und Verkehr. In allen Sektoren fordert der WWF Schweiz die Umsetzung von politischen Massnahmen zur effizienteren Energienutzung.

Verkehr

  • Neuwagen müssen klimaverträglich sein. Das heisst nicht unnötig gross und schwer (keine SUV) und batteriebetrieben.
  • Einführung eines neuen verursachergerechten Verkehrsfinanzierungssystem (Mobility Pricing). Konkret muss effiziente und erneuerbar betriebene Mobilität und insbesondere auch die Reduktion der zurückgelegten Kilometer finanziell belohnt werden.
  • Förderung des öffentlichen Verkehrs sowie des Fuss- und Veloverkehrs.

Strom

  • Regelmässig steigende Mindestanforderungen für Geräte und Motoren, sodass ineffiziente Produkte nicht mehr in den Verkauf gelangen.
  • Regeln, die sicherstellen, dass Elektroheizungen so schnell wie möglich mit klimafreundlicheren Alternativen ausgetauscht werden. Das ist wichtig, weil Elektroheizungen besonders verschwenderisch mit kostbarem Winterstrom umgehen.
  • Die Stromversorger müssen stärker in die Pflicht genommen werden. Energie-Konsument:innen brauchen ein umfassendes Beratungsangebot wie sie Strom sparen können. Am besten erreicht man das, wenn sparsamer Umgang finanziell belohnt wird.

Gebäude

  • Finanzielle Anreize für energetische Gebäudesanierungen.
  • Sanierungsvorgaben mit Übergangsfristen für jene Gebäude, die am meisten Energie verschwenden
  • Staatlich verbürgte Finanzierungsangebote, damit energetische Gebäudesanierungen nicht am Geld scheitern.
©
Wärmebildaufnahme eines Hauses
©
Umweltbewusste Fahrradfahrer auf der Strasse
©
Energieberatung

Was Sie sonst noch tun können

Pflegen Sie einen bewussten Umgang mit Energie. Informieren Sie sich über den Energiebedarf Ihrer Geräte, Verkehrsmittel oder Heizung. Nutzen Sie einfache Hilfsmittel wie Steckerleisten mit Ein/Aus-Netzschalter und schalten Sie ihre Musikanlage oder Ihren Fernseher nach dem Gebrauch ganz aus. Berechnen Sie Ihren persönlichen Fussabdruck und finden Sie heraus, wie es um Ihr persönliches Sparpotenzial steht. Unsere WWF-Ratgeber-App hilft Ihnen, im Alltag nachhaltiger und bewusster zu leben.

©
Sonne geht hinter der Erde unter

Footprint-Rechner

Ermitteln Sie Ihren ökologischen Fussabdruck und lassen Sie sich von individuellen Tipps inspirieren.

©
Frau steht lächelnd am Bahnhof

Klima-Tipps

Mit unseren praktischen Umwelt-Tipps für den Alltag gestalten Sie Ihr Leben nachhaltig und bewusst.