Minimalistische Einrichtung, pinker Raum und grüner Stuhl

Weniger ist mehr – so geht Suffizienz

Pro Person und Jahr produzieren wir rund 730 Kilogramm Siedlungsabfall, lassen 110 Kilogramm einwandfreie Lebensmittel vergammeln und blasen alleine mit unseren Ferienflügen im Durchschnitt mehr als zwei Tonnen CO2 in die Atmosphäre. Muss das sein? Nein, sagt die Suffizienz.

Suffizient heisst ausreichend. Also nicht zu viel. Unter Suffizienz laufen ganz unterschiedliche Ideen mit dem gemeinsamen Ziel, mit weniger Ressourcenverbrauch (mindestens) gleich zufrieden zu sein. Das tut Mensch und Umwelt gut. Hier geben wir Anregungen, wie das geht.

Zum Ausprobieren

Zero Waste

In der Schweiz gibt es inzwischen fast in jedem grösseren Ort verpackungsfreie Läden. «ZeroWaste Switzerland» bietet eine gute Übersicht.

Mitgründerin Natalie Bino erklärt, wie ihr Leben ohne Verpackung funktioniert: «Wir leben deswegen nicht in der Höhle. Wir konsumieren bloss weniger und intelligenter: Qualität, lokale Produktion und Langlebigkeit sind uns wichtig.»

Natalie Bino sitzt am Tisch

Entrümpeln

Ein Leben mit nur 119 Dingen? «Je weniger, desto besser», sagt Minimalist Alan Frei in diesem Artikel. Wer nicht gleich zum Minimalist werden, aber trotzdem Ballast abwerfen will, kann sich kleine Ziele stecken. Wie wärs, jeden Tag zum Beispiel einen Gegenstand wegzugeben? Sie erleichtern sich das Leben. Wenn Sie den Gegenstand verschenken oder verkaufen, muss insgesamt weniger produziert werden, und der Ressourcenverbrauch sinkt.

Stefanie Brenner hat einst wegen einer langen Reise die meisten Gegenstände weggeben. Und nicht zurückgeholt. «Ich habe nun viel mehr Zeit für meine Freunde, anstatt meine Wohnung mit Aufräumen und Putzen im Schuss zu halten.»

Portrait Stefanie Brenner

Einfach weniger konsumieren

Ist das Ferienglück abhängig von der Anzahl Flugkilometer? Je grösser das Schnitzel, desto besser der Tag?

Für Elmar Grosse Ruse jedenfalls nicht: «Ich will so leben, dass ich mich dabei gut fühle.» Dazu gehört für ihn, dass es besonders umweltbelastenden Konsum – wie eben beispielsweise Fleisch oder Flugreisen – nur in sehr kleinen Dosen gibt.

Portrait Elmar Russe

Erleben statt kaufen

Es ist wissenschaftlich belegt: Materialisten sind unglücklich. Materialisten müssen dem Geld nachrennen und vergleichen sich gern, was nicht guttut. Glücklicher als Statussymbole und die fünfte Handtasche machen Erlebnisse.

«Was zählt, sind Freundschaften und Beziehungen», sagt Monika Tobler. «Und die leben davon, dass man gemeinsam Zeit verbringt.» Sie selbst verschenkt darum Erlebnisse statt Spielzeug und Staubfänger.

Monika Tobler neben einer Plakatsäule

Weniger Einkommen, mehr Zeit

Vergleiche zwischen Ländern und Haushalten zeigen: Je höher das Einkommen, desto höher die Umweltbelastung.

Daniel Heusser hat sein Arbeitspensum bewusst reduziert. Er hat sich gefragt: «Was will ich eigentlich?» Die Antwort: Mehr Familie, weniger Einkommen – auch wenn die grösser werdenden Töchter immer mehr kosten. «Mit 20 Prozent weniger Einkommen habe ich nicht bei der Qualität gespart, sondern einfach auf die überflüssigen Dinge verzichtet.»

Dani Heusser springt im Wald

Tauschen und Teilen

Fast in jedem Haushalt gibt es eine Bohrmaschine, aber gebraucht wird sie nur 13 Minuten pro Jahr. Die allermeisten Bohrmaschinen wurden also für nichts hergestellt, mit viel Plastik, Metall und Energie. Warum nicht teilen? Oder Dinge gebraucht kaufen, die man doch etwas häufiger benötigt?

«Ich hatte begonnen, Möbel und Kleider für die Kinder secondhand einzukaufen, weil sie wachsen und immer wieder neue Sachen brauchen», sagt Giulietta Duyck. «Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum nicht Secondhand-Kleider auch für mich?» Ihre Erfahrungen sind gut: «Vom Business-Anzug bis zu Schuhen habe ich schon tolle Sachen gefunden, oft kaum getragen. Qualität, Preis und Abwechslung stimmen, ohne die Umwelt zu belasten.»

Giuelietta Duyck sucht Kleider in der Circular-Economy-Ecke

Zum Motivieren

Zum Mitmachen

Viele lokale und einige nationale Initiativen machen Suffizienz einfacher und schwungvoller.

  • In Repair Cafés können Sie Dinge flicken lassen – vom Radio bis zu Ohrringen – und damit Abfallberge reduzieren.
  • Mit den Stickern von Pumpipumpe können Sie ihren Nachbarn einfach zeigen, was Sie ausleihen würden.
  • Online sind Dinge zum Ausleihen und Mieten auf www.sharley.ch zu finden.
  • Auch Secondhand spart Ressourcen: Börsen, Brockis und Auktionsplattformen sind im Internet leicht zu finden.
  • Im WWF-Textilreport finden sich Ideen, wie sich die Textilproduktion und damit verbundene Umweltauswirkungen reduzieren lassen. Oder einmal eine Kleidertauschparty organisieren? Hier gib es eine Anleitung.
  • In der ganzen Schweiz finden sich Gemüsekooperativen – selber Hand anlegen für lokales Gemüse. Unerreicht vielfältig, frisch, natürlich. Hier sind Initiativen aus der Deutschschweiz zu finden.
  • Die Seite «Zeit statt Zeug» liefert Ideen für erlebnisreiche, umweltfreundliche Geschenke.
  • Eigenwillige Erfahrungen und kreative Vorschläge zu weniger Konsum steuert auch das Onlinemagazin «das Lamm» bei.

Zum Weiterlesen

Es gibt immer mehr Bücher über das Leben mit immer weniger. Diese Lektüren können wir Ihnen empfehlen:

  • Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand von Harald Welzer: grundsätzliche Gedanken über das Glück des Verzichts – oder besser des Vereinfachens.
  • Befreiung vom Überfluss von Niko Päch: für den Ausbruch aus dem Hamsterrad der materiellen Selbstverwirklichung und den Einstieg ins selber machen.
  • Genug genügt. Mit Suffizienz zu einem guten Leben von Marion Leng, Kristin Schild und Heidi Hofmann: Porträts von Menschen, die mit Suffizienz vorwärtsgekommen sind. Plus Expertentipps für die Praxis.
  • Dem Wachstum entwachsen des Deutschen Naturschutzrings: Ideen für den suffizienten Alltag und Denkanstösse darüber hinaus.
  • Ein gutes Leben für alle der BUND Jugend: mit viel Schwung von der Theorie zur Praxis. Ganz Praktisch.
Hülsenfrüchte im Zero Waste Laden Bare Ware, Winterthur

Verpackungsfrei einkaufen, zum Beispiel bei «bare Ware» in Winterthur